Ein Verlade (Alp-)Traum :

Unser „Problem“ begann damit dass wir mit unserem damals 4 Jährigen Trakehner Wallach Ike auf einen Lehrgang FAHREN wollten - etwa eine dreiviertel Stunde vom Stall entfernt. Natürlich machten wir uns alle möglichen Gedanken: haben wir die passenden Bandagen für unser Pad und passt die ausgewählte Farbe wirklich zu seinem Fell … - aber an den Hänger und das Verladen verschwendeten wir nicht wirklich viel Zeit. Nun kam Tag X- ein Freund holte extra Hänger und Zugfahrzeug von seinen Eltern im Westerwald, da wir damals noch keinen eigenen hatten – und alles war vorbereitet: Hänger offen, Wand beiseite, Heunetz gestopft…

Die ersten Zweifel schlichen sich ein, als wir unser Pferd vom Paddock holten und nur an dem Hänger vorbei gehen wollten. Riesen Augen, riesen Nüstern und Schnorcheln. Gut wir entschuldigten so was gerne mit „Trakehner halt“. Und außerdem war es ja auch nicht seine erste Hängerfahrt- im Gegenteil. Es war nur die Erste mit uns.

Wir begannen nun also ernsthaft mit dem Verladen. Hilfe, wenn ich jetzt noch daran denke wird mir ganz anders. Unser Pferd ging noch nicht mal in die Nähe der Rampe. Da wir uns aber gaaanz fest vorgenommen hatten Ihn niemals zu bedrängen, zu hauen oder Sonstiges kamen für uns weder Seretta, noch Besen, noch Longen in Frage. Alles ganz sanft halt. Hat ja immer schon funktioniert…

Ca. 2 Stunden später standen 6 Leute um den Hänger. Zwei mit Besen, zwei fürs Longen halten, einer am Ende vom Strick welcher an der Seretta hing und einer mit 'nem Hafereimer im Hänger. Von den vielen Schlaumeiern am Rande stehend mal ganz abgesehen…

Wir sind nicht auf den Lehrgang gefahren. Erstens ist Ike nicht hoch und zweitens konnten wir durch seine permanente Steigerei unsere Arme nicht mehr bewegen. Wir flogen wie die Wattebällchen hinter ihm her.

Wir beschlossen, erst mal nicht mehr über das Hänger-Thema nachzudenken. Den Gedanken an "im Notfall in die Klinik" und die dadurch hohe Priorität des Hängerfahrens verdrängten wir ebenfalls erfolgreich.

Dann kam das Dressur Turnier, welches wir gemeldet hatten, ca 10 km vom Stall entfernt. Wir wollten unbedingt teilnehmen und da Hänger ja Tabu-Thema war, beschlossen wir hin zu laufen. So standen wir also um 2 Uhr morgens auf, holten Ike von der Koppel, flochteten ihm die Mähne und liefen bester Laune los…

Als wir 13 Stunden später wieder zurück kamen, hatten wir uns in dieser Zeit 3x die Freundschaft gekündigt, mind. 200 Mal das Pferd verkauft, 5 Unterzuckerungen erlitten, etliche Wadenkrämpfe und Atemnot ausgestanden und lagen danach 2 Tage im Bett wegen Mörder -Muskelkater. Natürlich sind wir ALLE gelaufen. Der Eine gönnte dem Anderen ja das Reiten nicht (es ging übrigens nur Berg hoch und wieder runter – tiefster Taunus halt) und unser Ike mußte auf dem Hinweg ja auch fit bleiben.

Von da an beschlossen wir IKE MUSS HÄNGER FAHREN. Nur wie? Und wen fragt man am besten? Man möchte ja alles richtig machen. Glücklicherweise ist unsere damalige Reitlehrerin mit Iris befreundet und so kamen wir zusammen.

Wir begannen erst einmal mit Bodenarbeit. Kommunikation herstellen und verbessern. Das war sehr lehrreich und interessant. Dann mussten Ike und ich um geschlossene Hänger herum gehen und selbst das war schon ein Problem. So ging es dann Step by Step voran. Einmal kam ich suuper glücklich nach Hause weil er 2 Füße auf der Rampe hatte. Was hab ich mich gefreut.

Aber unser Training  machte von da an riesen Fortschritte und es kam der Tag an dem Ike ALLEINE auf den Hänger marschierte. Unglaublich. Ich draußen und Ike drin.

Ohne die Hilfe von Iris wäre dies nie gelungen. Sie hat sich sehr viel Mühe gemacht, meine Körpersprache zu trainieren und Fehler zu benennen und zu beheben. So konnte ich anfangen mein Pferd zu verstehen und er begann mich zu kapieren. Es entwickelte sich eine Kommunikation. Sehr faszinierend. Aufgrund des Hänger Trainings habe ich mit meinem Pferd eine besondere Bindung aufgebaut, welche ich jeden Tag spüre. Und in sämtlichen Krisen – und da waren noch einige (Trakehner in der Pubertät und Frauchen die Hosen voll) – konnte ich darauf zurück greifen und wir haben es bis jetzt immer gemeistert.

Wir waren jetzt gerade wieder auf Turnier. Es war herrlich. Hoch Runter Rein Raus – alleine auf Hänger warten und Heu fressen. Alles kein Problem. Aber – natürlich fragt Ike manchmal gerne noch mal an – soll ich wirklich? Nur das dies jetzt, durch unsere Kommunikation und ein paar eingeschlichene Tricks, gar kein Problem mehr ist.

Wir werden immer weiter daran üben müssen aber es macht Spaß. Uns bringt es näher zusammen und in Punkto Horsemanship mit Iris war dies auch nur der Anfang. Ich freue mich darauf wie es weiter geht. Denn eins steht fest- Ohne Iris und ihre Anleitung würde ich heute noch auf Turniere laufen…

DANKE Iris, dass Du mein Denken verändert hast

Maike & Ike

 

 


 

                              

 

 

 

 

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