Finja und Ina zur Ausbildung bei Iris April/Mai 2013


Juni 2011 war es endlich soweit: mein erstes eigenes Pferd

Am Anfang war alles leicht, ich hatte eine Ausbilderin an meiner Seite und mein Pferd Finja, eine Württemberger Warmblutstute, war noch etwas verschüchtert und leicht von mir zu beeindrucken. Ein kurzes Rückwärtsrichten reichte aus, um sie von meinen „Führungsqualitäten“ zu überzeugen.

Nach einiger Zeit kamen mehrere ungünstige Parameter zusammen. Meine Ausbilderin stand nicht mehr zur Verfügung, im Verein wurde ich mit gut gemeinten Ratschlägen überhäuft und immer unsicherer, mein Pferd mit mir auch und zog dann die Gesellschaft von Pferden vor. Ich hatte drei nicht passende Sättel und so waren auch Reitprobleme vorprogrammiert.  Nach jedem neuen Sattel ging die Aufbauarbeit wieder los, dazwischen lagen immer 2-3 Monate in denen ich nicht geritten bin.  Nachdem der letzte Sattel zu eng wurde ging‘s nur noch rückwärts oder hoch. An treibende Hilfen war nicht zu denken.

Im Oktober 2012 war ich am Ende. Alle möglichen Untersuchungen waren über die Zeit gemacht, um Schmerzen ausschließen zu können, aber an Sattel auflegen oder gar reiten war nicht zu denken.

Und dann kam Iris.

Ich hatte sie schon recht bald nach dem Kauf von Finja kennengelernt, habe eine Schnupperstunde wahrgenommen und zum ersten Mal von „wer bewegt wen“ gehört. Sofort wusste ich an der Reaktion von Finja, das ist die Richtung, in die ich gehen will. Problem: Iris konnte aus Zeitgründen nur sehr, sehr sporadisch vorbeikommen.

So hatte ich zu Beginn zu wenig Handwerkszeug und Wissen, um am Boden abwechslungsreich und korrekt arbeiten zu können.

Im Sommer 2012 habe ich dann in Wehen an mehreren Gruppenstunden Bodenarbeit teilgenommen, um das anschließend zu Hause mehr schlecht als recht umsetzen zu können.

Mit dem jetzt anstehenden Problem aber, den Sattel nicht mehr auflegen zu können, war ich schlichtweg überfordert. Iris war zwischendurch zweimal da, um akut Hilfe zu leisten. So habe ich mich durch den Winter gewurschtelt.

Im Januar war ich dann so frustriert und hilflos, dass ich Iris fragte, ob ich Finja nicht zwei Monate zu ihr nach Wehen zur Ausbildung stellen könnte. Und sie sagte ja . Ihr könnt nicht glauben, wie erleichtert ich war. Im April war es dann endlich soweit.

Iris fing natürlich mit der Arbeit am Boden an und schon nach den ersten beiden Stunden, die sie Finja gearbeitet hat, merkte ich die Auswirkungen. Sie reagierte auch bei mir viel prompter und korrekt mit viel Vorwärts. Zuvor bekam ich ein langweiliges Schlurfen, aber keinen Trab mit Schub.

Aber nicht nur Finja war zur Ausbildung, denn wie beim Hund hängt das Problem am anderen Ende des Stricks. Endlich hatte ich Gelegenheit ganz konkret in unerwarteten Situationen mit Finja direkte Hilfe bzw. Anleitung zu bekommen. Die Umsetzung freilich ließ mehr als einmal zu wünschen übrig.

Alte Gewohnheiten abzulegen, z.B. das ständige Nachtreiben beim „Longieren“ sein zu lassen, fällt mir wahnsinnig schwer. Schnell genug zu reagieren, der Schlüssel, tja, was soll ich sagen, ich bin oft zu langsam, der Unterschied ist, jetzt weiß ich es und kann dran arbeiten, mein Pferd besser zu lesen und adäquat zu reagieren.

Ich habe in der Zeit jeden Theoriekurs mitgenommen und jede Menge Theorie in den Stunden bei der praktischen Arbeit mitbekommen. Für mich super wichtig, weil ich besser verstehe, wenn ich es sehe und spüre.

In dieser Zeit wurde mir erst klar, wie subtil Finja immer wieder die Führung abgefragt und übernommen hat. So kann ich zurzeit noch nicht einmal bei uns zu Hause mit ihr um die Koppeln spazieren. Sie vertraut mir bei dieser Sache nicht und quittiert zu weite Wege - zuvor mit wenig aber dennoch mit Druck erwirkt - mit dem Ansatz zu Steigen. Kein gutes Gefühl. Ich komme keine fünf Meter weit. So muss ich halt hier von vorne anfangen. Die Quittung für falsche Einschätzung meines Pferdes und falsch verstandenes Vorgehen im Vorfeld.

Nun war aber das Satteln und Reiten das Ziel der Ausbildung.

Am 20. April habe ich das Satteln - das ich nach Anleitung von Iris auch den Winter über geübt habe - nun erneut geübt. Und Iris hat schnell erkannt, dass hier inzwischen alles okay und eher Ungezogenheit im Spiel ist und wieder meine falsche Einschätzung von Finja. In den Tagen danach habe ich immer wieder gesattelt und es ging auch bei mir immer besser.

Und am 26. April war es dann soweit. Zuerst haben wir Finja gesattelt über Cavalettis gearbeitet und Tempounterschiede geübt. Danach Trense drauf und ich drauf. Oh wie aufregend. Sie ging sehr zögerlich los, aber sie ging. Als ich dann Traben sollte kamen alte Bilder hoch. Ich bin zu Hause zwar auch schon im Schritt geritten, aber treibende Hilfen wurden mit Rückwärts quittiert. So war es auch fast in diesem Moment. Sie machte sich fest, aber mit viel Lob bei jedem Vorwärts und Iris am Boden als Begleitung haben wir es geschafft auf beiden Händen zu traben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich war.

Nun war die Empfehlung viel auszureiten, weil meine Kleine erst ihre Balance finden muss, nicht durch Hallenwände in ihrem Vorwärts beschränkt werden und die Sattelproblematik vergessen sollte.

Der erste Ausritt nach 6 Monaten. Es war kalt und regnerisch. Ich bin in Begleitung raus. Finja ist immer wieder angetrabt, ich habe sie immer wieder in den Schritt gebracht, des Öfteren sind wir kleine Kringel geritten, um unsere Begleitung nicht abzuhängen. Irgendwann sind wir ein längeres Stück getrabt und endlich konnte etwas Energie raus aus dem Pferd. Trotzdem hat es ist ca. 45 Minuten gebraucht, bis sie sich entspannen konnte und abgeschnaubt hat. Toll fand ich, dass sie sich zu jedem Zeitpunkt regulieren lies. Der Sattel war ihr völlig wurscht und kein Problem.

Jeder weitere Ausritt war danach war zunehmend entspannter. Finja ist super gerne draussen und  betrachtet die Welt voller Neugier, manchmal etwas ängstlich, aber trotzdem irgendwie mutig weil sehr neugierig.

Wir haben auch für die Halle ein kleines Programm erarbeitet. Da Finja sich super schnell einrollt und sich so den Hilfen entzieht, heißt es jetzt Zügel möglichst nicht benutzen und mit Gewichts-, Schenkel- und Gertenhilfen reiten. Mal ganz was Neues. Ich finde das super spannend und Finja macht gut mit. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie inzwischen hier und da den Zügel sucht.

Also ein voller Erfolg. Jetzt liegt es an mir, diesen Ausbildungsstand mindestens zu halten.

Die zwei Monate gingen allzu schnell rum und inzwischen bin ich längst mit meiner Süßen wieder zu Hause.

Ich will aber nicht verschweigen dass ich super froh bin, dass Iris es inzwischen so eingerichtet hat, dass sie alle 14 Tage zum Unterricht vorbeikommt.

An dieser Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an Iris.

Ina & Finja RV-Naurod

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                   

 

 


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