(per Email von Kerstin am 08.02.2015)

Liebe Iris,

ich bin gerade dabei, meine Pferde-Ziele fürs kommende Jahr zu sortieren. Dazu habe ich mir zunächst angeschaut, was wir letztes Jahr erreicht haben. Und wenn ich sage "wir", dann meine ich nicht nur Yukon und mich. Du hast uns so gut vorbereitet, dass Yukon und ich in besonderen Situationen auch alleine gute Ergebnisse erreichen können. Ein paar dieser Ergebnisse sind herzerwärmende, unbezahlbare Bilder in meinem Gedächtnis, an die ich gerne denke, wenn ich glaube, mit Yukon vor einem Problem zu stehen:

- Yukons Gesicht, als er zu Beginn der Saison hinterfragt hat, ob er wirklich in den Hänger gehen muss. Ich musste schmunzeln, weil ich inzwischen weiß, dass er sich sowieso von mir verladen lässt: "Nein, Pony, heute üben wir nicht EIN-laden, sondern AUS-laden." Das Spiel dazu hat ihn in kürzester Zeit so begeistert, dass er zielstrebig in den Hänger gestiegen und dort erwartungsvoll stehen geblieben ist, nur um weiterspielen zu können ("Ich bin drin, es kann losgehen!").

- Yukon, der bei einem Kurs mit dir in fremder Umgebung so relaxt war, dass er sogar vor den Zuschauern rumgealbert hat: Aus (Stress-Ab-)Wälzen wurde "Guck mal, ich kann auch..." Das hat Carla in ein paar traumhaften Fotos festgehalten (Gruß an Carla!).

- Yukon, der sich auf unserem Reitplatz unterm Sattel auf jeder Hand im Trab schön gestretcht und dabei entspannt ausgeatmet hat, obwohl direkt nebenan auf dem Kinderspielplatz das jährliche Feuerwehrfest mit lautem Jubel und Musik in vollem Gang war. Das Fest war wirklich laut. Ich glaube, wir waren an diesem Nachmittag die einzigen, die den Reitplatz genutzt haben.

- Die Erkenntnis bei unserer Rallye, dass Yukons Horsenality-Schwächen auch seine Stärken sein können: Ja, er war auf der Geländestrecke aufgedreht. Aber er hat alle Übungen, die mit Laufen und Rittigkeit zu tun hatten, super gut gemeistert. Sogar die Brücke (die aussah wie eine Wippe - sonst eine ganz schreckliche Sache!) hat er ohne zu zögern überquert, nachdem ich ihm das gegeben habe, was seine "Füße" brauchten.

- Yukon, der in unserem Kurzurlaub im Westerwald alle Wasserhindernisse als Erster aus der Gruppe nehmen wollte ("Lasst mich mal vor."), obwohl wir das bis dahin kaum je geübt hatten. Sogar die Querung mit den Wasserkaskaden - schnelles, schäumendes Wasser, das den Grund verschleiert hat (wie tief? Welcher Untergrund?) und so laut war, dass Stimmhilfen zwecklos waren; ich dachte noch, mir wird schwindelig - hat er schnobernd und mit tiefem Kopf, Schritt für Schritt als Erster gemeistert.

- Und schließlich eine Überraschung an Silvester: Yukon wollte erstmals tatsächlich lieber draußen dem Feuerwerk zuschauen als in einem der Liegeräume bei Heu stehen; er war draußen sogar ruhiger als drin. Ich vermute, da hat sich unser Training an der Luftpolsterfolie bewährt: Entspannung ist die Lösung, hast du uns gesagt.

Ohne das Training mit dir wäre vieles anders gekommen.

Die Arbeit at liberty auch ohne enge räumliche Begrenzung ist zu einem festen Bestandteil für uns geworden. Mich fordert es, weil es auf jedes Detail ankommt. Yukon liebt es, weil er sich entfalten (und mich austricksen :-P ) kann. Mit keinem Hilfsmittel und auch nicht geritten zeigt Yukon so schöne Bewegungsabläufe wie at liberty. Da Yukon langsam ein älterer Herr wird, ist das eine sinnvolle Alternative, um ihn schonend fit und geschmeidig zu halten. Daneben ist es ein Glücksgefühl, Ergebnisse zu erreichen, ohne sein Pferd einfach nur mechanisch zu kontrollieren, sondern indem man wirklich frei mit ihm kommuniziert.

Losgelassenheit war jahrelang unsere große Schwäche. Das war beim Reiten sehr nervig, weil wir immer lange gebraucht haben, bis wir an Aufgaben arbeiten konnten. Mittlerweile ist Yukon beim Reiten fast durchgehend konzentriert bei der Sache, selbst jetzt im knackigen Winter. Wenn ich pädagogisch alles richtig mache, setzt Yukon sich für die Aufgabe ein; er investiert in die Aufgabe, damit sie gelingt. Und das alles mit relativ geringen Hilfen. Dann kommt es mir so vor, als würden wir "homöopathisch reiten": Kleine Information, große Wirkung. What a feeling!

Du fragst regelmäßig im Anschluss an die Veranstaltungen, wie du dich und deine Kurse verbessern kannst. Vielleicht hilft es dir auch zu erfahren, was dein Training außerhalb des Unterrichts bewirkt, für den du dich so engagierst.

Vielen Dank für deine Unterstützung!

Ich wünsche dir noch lange Freude an deiner Berufung,

LG, Kerstin

 

(Update per Email von Kerstin im Dezember 2013)

Hallo liebe Iris,

es ist Zeit für einen Jahresrückblick. Und was für ein Jahr das war!

Erst hat sich der Knoten beim Verladen gelöst. Yukon ließ sich plötzlich vorwärts und rückwärts in den Hänger schicken, ohne gleich wieder wie ein Sektkorken aus dem Hänger herauszuschießen. Verladen einschließlich Heckriegel und Klappen schließen, Anbinden und Dankeschön ans Pferd dauert jetzt meistens nur noch 2-3 Minuten. Da ich keine fremde Hilfe mehr brauche, bin ich unabhängig. Kein "Hättest du morgen gegen 13 Uhr vielleicht Zeit zu helfen, ich will wegfahren?" oder "Kannste gerade mal hinter uns zumachen? Aber pass auf..." Keine sensationslüsternen Zuschauer mehr mit ihren "guten Ratschlägen" und Besen in den Händen. Und - ganz, ganz wichtig - Verladen ist dadurch deutlich sicherer geworden. Egal, ob wir alleine oder mit einem anderen Pferd unterwegs sind. Was für ein Gewinn! Endlich war die Basis da, um ganz entspannt zu auswärtigen Veranstaltungen zu fahren.

Wir sind zwar schon früher weggefahren, aber da war das für Yukon meistens mit heftiger Aufregung verbunden (Durchfall, Angstschweiß, Kopflosigkeit). Erstaunlicherweise - das war Knoten Nummer 2 - war dieses Jahr alles gar nicht mehr so schlimm. Die Zeit, um sich woanders zu akklimatisieren, ist deutlich kürzer geworden. Er lässt sich besser händeln und ist schneller offen für das, was uns vorort erwartet. Gleich bei unserem ersten Event ("Jumping online") stand Yukon schon bei Begrüßung und Briefing entspannt mit einem entlasteten Hinterbein da und hat geduldig (!) auf seinen Einsatz gewartet.

Etwa zeitgleich hat sich Yukons Verhalten in der Offenstall-Herde verändert. Er ist besonnener und souveräner geworden, was ihm ein besseres Standing eingebracht hat. Es hat allerdings ein bisschen gedauert, bis ich das erkannt habe. Anfangs war mir das neue Verhalten so unheimlich, dass ich ihn vorsichtshalber von einem Tierarzt habe untersuchen lassen... (du hast herzlich gelacht, als ich dir das erzählt habe). Aber nein, das Pony war kerngesund, die Blutwerte alle im grünen Bereich.

Später im Jahr hast du angefangen, mit uns "offline" (=liberty) zu arbeiten. Das war und ist eine ganz spannende Erfahrung, die die Beziehung zwischen Yukon und mir noch einmal vertieft hat. Am Tag nachdem wir die ersten Übungen für das freie Arbeiten gemacht haben, ist Yukon beim Weideabtrieb nicht wie sonst mit der Herde gelaufen, sondern hat sich lieber mir angeschlossen. Man stelle sich vor: Rund 30 Pferde galoppieren über zwei verlockend große Flächen vor uns her zum Stall, wo der nächste leckere Snack wartet, aber mein Pony, das sonst am liebsten in der ersten Reihe mitmischt, bleibt die ganze Strecke entlang ruhig und frei bei mir. Nein, ich hatte ihn nicht mit Leckerchen bezirzt ;-)
Das Schöne an der freien Arbeit ist außerdem, dass es nicht nur den Kopf, sondern auch - ohne Hilfsmittel am Pferd - den Körper trainiert. Yukon entfaltet sich dabei ganz anders als mit Halfter, Kappzaum oder Trense. Es ist wirklich erstaunlich, dass ein bisschen weniger (Ausrüstung) so viel ausmacht und doch so viel gymnastischen Wert haben kann.

Seit kurzem experimentieren wir damit, die Erkenntnisse aus der Bodenarbeit in den Sattel zu übertragen, was auch viel Spaß macht. Die ersten Übungen haben auch schon erfolgreich im Gelände geklappt. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt :-)

2013 war wirklich ein erfülltes Pferde-Jahr! So kann es gerne in 2014 gerne weitergehen; es gibt es noch so viel zu lernen und zu erleben. Wir freuen uns schon auf die nächste Saison. Es ist schön, dass du auf jeden von uns - Mensch und Pferd - individuell eingehst und immer eine treffsichere Idee hast, wie sich ein Problem am besten lösen lässt. Vor allem aber schätze ich, dass du auch unsere chaotischen Einsätze immer wieder mit Humor trägst und uns ermutigst, unsere selbstgemachten Grenzen im Kopf loszulassen.
Danke, dass du mit uns trainierst!

Allen Menschen und Pferden einen guten Start in die nächste - hoffentlich gesunde und fröhlich ausgefüllte - Saison,
Kerstin und Yukon :-)

 

(per Email von Kerstin im  Januar 2012)

Hallo Iris,

es gibt viele Leute, die sagen, Yukon sei gut händelbar und ein unerschrockener Typ. Zu Hause und ohne besondere Vorkommnisse stimmt das ja auch. Aber in neuer Umgebung und z. B. an Silvester sah das ganz anders aus. Durchfall hatte Yukon immer, war oft nass geschwitzt, ist sogar gestiegen. Ich hatte viel probiert und geübt; einiges wurde besser, aber der richtige Erfolg wollte sich nicht einstellen. Verflixt - woran lag das? Ich war schon kurz davor, mich damit abzufinden, dass wir unser Limit erreicht haben ("Das Pferd ist halt so." haben verschiedene Leute gesagt). Aber seit Oktober bringst du uns Horsemanship näher. Und was passierte an Silvester?

Wir haben's gut überstanden. Yukon war zwar aufgeregt, aber nicht so schlimm wie in den letzten Jahren: Er hat richtige Äppel abgesetzt, keine Fladen und kaum Kotwasser; er war nur an den Flanken leicht feucht; und der ganze Spuk dauerte deutlich kürzer. Ich glaube, die Übungen "Kopf-runter" (natürlich blieb er da noch nicht, also habe ich ihn immer wieder ermuntert, "abzutauchen", und das hat er auch immer wieder angenommen) und "Auf-Abstand-Schicken" (nicht nur von mir, auch von der Boxtür, die er anfangs gerne aufgepresst hätte) haben gut geholfen, damit er sich nicht so schlimm aufspult. Dann war der Punkt erreicht, dass er zwar mit einem Vorderbein wild im Stroh gewühlt hat, aber gleichzeitig mit einem Hinterbein geschildert hat *lach* Da musste ich ihn nur noch antippen und "Ist gut jetzt sagen." Daraufhin blieb er ruhig stehen und hat nur noch gespannt draußen zugeschaut, sich gerne kraulen lassen und ab und zu geschnobert. Etwas später war er der Erste, der wieder angefangen hat, Heu zu fressen.

Für die wenigen Stunden, die wir mit dir geübt hatten, ist das Ergebnis wirklich beeindruckend. Ich habe die Hoffnung, dass wir die restlichen Baustellen auch noch in den Griff bekommen.
Vielen Dank für deine Hilfe :-)

LG - K :-)

 

 

 

                                    

 

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