"Versuche, wenn du das Pferd
in irgendeiner Weise bedienst,

zu erfühlen, wie du auf es einwirkst,

und was es dann von dir will.

Wenn du zunächst auf seinen Willen

einschwenkst, wird es später auch

auf deinen Willen einschwenken!"
(Prof. Paul Tholey)

Di 19.01.2016

Eine Stunde Pilates am Morgen war wieder unser warm-up für den heutigen Tag, heute mit Jen. Linda Land wurde heute durch ein paar Teilnehmer aus Pats verstärkt.

Danach hat Linda Ryan, Maureen und mich zu einem Field Trip mitgenommen zu Tik Maynard, einen Vielseitigkeits-Reiter aus Canada, der im Winter einige Monate in Ocala verbringt und den ich schon bei den Dreharbeiten zu „Scale of Training“ kennengelernt habe.

Wir haben ihn in einer überdachten Arena gefunden, mit Remarkable, einem 5 jährigen Ex-Rennpferd. Er hat mit ihm am Retired Racehorse Project's Thoroughbred Makeover teilgenommen. Man adoptiert ein Rennpferd und zeigt ein paar Monate später, in unterschiedlichen Kategorien, was man daraus gemacht hat. Man darf in 2 Kategorien antreten, die beiden haben in Eventing (Vielseitigkeit) und Freestyle teilgenommen. Bei den Eventern waren sie 5. von über 120 Teilnehmern, das Freestyle haben sie gewonnen, indem er zuerst eine Liberty Vorführung mit ihm gemacht hat und dann bridleless (ohne Trense) geritten und gesprungen ist.

Das Pferd am Seil war sehr dünn, trainiert, groß und leftbrain. Tik sagte uns, er würde ihn jetzt mal frei machen, denn er müßte sich mal bewegen, woraus seine beiden Helferinnen fragten, ob sie sich an die beiden offenen Stellen an der Reiling stellen sollten, er meinte, nein nicht nötig, über diese Höhe würde er ja überall locker springen – sprachs und tat was das Pferd brauchte. Kaum war das Halfter ab, wurden wir sofort von der Endgeschwindigkeit des Pferdes beeindruckt, unübersehbar mußte er seine Füße bewegen und rocken und bocken was das Zeug hielt – mehrfach ist er voll-speed auf den Zaun zu und hat sich angeduckt, als ob er springt, hat aber immer vorher abgedreht. Tik hat ihn einfach machen lassen. Als der Wallach „fertig“  war, kam er abschnaubend im Galopp zu ihm zurück. Sie haben dann noch etwas at liberty zusammen mit connection gespielt – Linda hat ein paar Tips gegeben. Wir haben dann kurz auch seine sehr nette Frau Sinead und ihre Working Students kennen gelernt – sie trainieren in unterschiedlichen Ställen, da sie in der selbsen Disziplin reiten und trainieren, sehr verständlich ;-).

Dann ging‘s zum Reiten ab auf die Wiese. Tik hat etwas vorgeritten und gezeigt, dass wann immer er länger galoppiert (was ja in der Vielseitigkeit vorkommen soll), das Pferd in eine Art Trance geht und dann von einem Sprung überrascht wird, bzw. nicht gut wieder zu setzen ist davor. Linda hat ihm den „suspension rein“ erklärt und ihn damit gecoacht, und wie cool den Unterschied zu sehen! Da seine Pferde eine exzellente Vorbildung auch am Boden haben und Tik natürlich ein extrem guter Reiter ist, hat er super schnell verstanden und umsetzen können worum es ging.

Er wollte uns noch 4 Pferde zeigen, also sind wir mit zum Stall gefahren, er ist geritten. Schwups habe ich einen dreijährigen (Evan) in die Hand gedrückt bekommen, um ihn am Boden aufzuwärmen ….. „and you can ride him if you want“ – Danke für das Vertrauen, aber danke nein ;-).  Ryan hat ebenfalls ein Pferd bekommen, und Tiks zwei Helferinnen hatten zwei Stuten, die jeweils als unreitbar zu ihm kamen, und wo bis heute auch noch niemand drauf saß, weil sie außerdem auch nicht händelbar waren, eine nicht mal führbar! Linda hat zuerst den beiden Mädels geholfen, während Ryan und ich die anderen beiden gespielt haben.

Evan ist ein sehr gut erzogener, großer junger Kerl. Extrovertiert in jedem Fall, aber das müssen Vielseitigkeitspferde wohl sein ;-), nicht wirklich calm und eher reactive als responsive. Die Yields, HH, VH, rückwärts aber waren wirklich gut und sehr promt. Ich habe ihn das S-exercise machen lassen um nicht zirkeln zu müssen, aber seine Füße schneller zu bewegen, dann über  Stangen traben lassen und dann dazwischen angehalten – das fand sehr komisch. Rückwärts über eine Stange, noch viel komischer. Aber er hat sehr, sehr brav versucht alles zu tun was ich gefragt habe. Einzige Stelle, die etwas sticky und fest war, der hintere Teil der Rippen.

Als ich ihn zu Tik zurück gebracht habe zum Reiten war er sehr interessiert zu hören was ich gefunden habe. Er hat das Problem, dass er sich im Genick verwirft bei m Reiten. Linda hat meine und seine Erkenntnisse zusammen geschmissen, meinte wir sollten testen, ob das Genick kommt wegen der Rippen so ist und vorgeschlagen Schenkelweichen auf dem Zirkel zu tun. Sure enough that fixed it fast – Tik war pretty happy!

Ryans Pferd war eine junge Schimmelstute, die gerade aus Deutschland importiert wurde. Die knirscht im Schritt und Trab mit den Zähnen und ist relativ fest auf ihrer linken Körperhälfte. Ryan hat sie geritten, zuerst Ride the line und dann supple rein. Sehr cool zu sehen, wie das beides dem Pferd geholfen hat loszulassen und weich zu werden ohne sich eingesperrt zu fühlen. Tik wollte das auch unbedingt noch anführen und ist es unter Ryans Anleitung nochmal nach geritten.Wieder konnte er die Sache extrem schnell umsetzen.

Die beiden Mädels mit den Stuten hatten bis jetzt am Boden gearbeitet waren aber beide willens, es heute mit Aufsteigen und Reiten zu versuchen. Eine der beiden Stuten hat direkt auf Kampf geschaltet, Ohren auf dem Hals und Bocken was das Zeug hält – wir als Zuschauer mussten mehrfach wegsprinten. Das Mädel kann reiten! Linda hat ihr den indirekten Zügel und HH weichen erklärt, was das Bocken gestoppt hat, dann sollte sie das Pferd sofort dolle streicheln. Die Stute war SEHR überrascht von dieser Vorgehensweise. Nicht lange und die beiden sind Point to Point geritten, Ohren vorn, unterbrochen von Grasen zur Belohnung.

Die zweite Stute hat sich sofort wie ein braves Reitpferd verhalten. Tik sagte irgendwann zu seiner Reiterin, sie soll mal antraben, damit wir etwas entertaint werden – aber auch das war super! All das natürlich draußen auf einer großen, nicht eingezäunten, sehr unebenen Wiese mit einem Teich und nassen tiefen Stellen und vielen Bäumen.

Das war ein krass cooler Tag! Wir haben super viel unterschiedliche Herangehensweisen und Strategien mit ganz verschiedenen Pferden gesehen und mal wieder erlebt „that shitt really works“!

Tik hat mich eingeladen, mich zu melden, falls ich gern mit ihm reiten möchte. Er meinte, er hätte auch ein paar Dressurpferde ;-).

 Um 16h waren wir erst zurück auf der Ranch. Man hatte ich einen Hunger, nachdem es heute nur Frühstück und einen Smoothie gab :-)!