Mi 13.01.2016

Instruktor Tag in Linda Land: Die Instruktoren, die diese Woche auf der Ranch sind hatten heute Morgen einen halben Tag als Zuschauer bei Linda. Kathy, Marion und ich waren als Reiter mit dabei. Da ich schon wußte, dass es Lautsprecher und viele Menschen geben wird – UND ich heute einen neuen Sattel zum Probereiten hatte, bin ich OL zum Playground marschiert. Das war besser so!

Zum Glück gab es erst eine kleine Rede- und Frage-Runde, so dass er sich etwas eingewöhnen konnte und wir schließlich auch die Arena betreten und dort stehen konnten.

Als es losging habe ich am Boden begonnen, etwas vorwärts am Seil, Springen, auf die Wippe – check, das war alles kein Thema!

Ready zum Aufsteigen. Da kann man den Unterschied gut erkennen, den das Reiten für Patrick macht, denn dafür haben wir eine GANZE Weile gebraucht. Er konnte nicht lange stehen, ist spätestens immer wieder los gelaufen, wenn ich im Sattel saß. Also: „gehe zurück auf los, ziehe nicht 4.000 Mark ein“ bin ich jeweils immer wieder abgestiegen und habe von vorne begonnen. Ja, das hat ihn schonmal ne Menge Nerven gekostet, aber ich fahre nicht gleich über die erste rote Ampel die sich anbietet und wundere mich hinterher warum nichts klappt ;-)!

Dann habe ich Point to Points geritten – erwartungsgemäß waren die Linien kurvig und der Stop weg! Ich hatte heute aber schneller Go und geradere Linien als Anhalten und Stehen. Dank „sticky feet“ konnte ich aber auch das Stoppen wieder herstellen. Deutlicher Unterschied zu gestern, Patrick war schon ziemlich uffgerescht – was so ein paar Zuschauer und Lautsprecher alles machen! Flashback in the past!

Je besser es ging, konnte ich die Points näher an die Arena bringen, und da ich in der Vorbereitung offensichtlich ein paar Sachen richtig gemacht habe, konnten wir direkt im Eingang stoppen und dann auch ohne Zögern einreiten. Zuschauer gar nicht beachten, sofort in die erstbeste Ecke, und Stehen, dann die lange Seite weg von den Zuschauern, und Stehen, kurze Seite bis zur Ecke, und Stehen. Jetzt ultimativer Test: durch die Diagonale in die Ecke gegenüber der Zuschauer – ich frage nach Trab und bekomme sofort ein Tritte verlängern und auch ein Halt und Stehen in der Ecke (mit dem Rücken zu den Zuschauern). FERTIG!

Ich reite am langen Zügel raus und stehe noch etwas neben dem Eingang, um Linda zuzusehen als Patrick alles losläßt und pinkelt. WOW, big release! Ich steige ab und führe ihn direkt zurück zum Stall und zur Koppel.

Hätte heute jemand aus „Normal-Ville“ gesehen, dass ich das Pferd trainiert habe (?) – ein klares NEIN! Bedauerlich, denn haben wir heute einen richtig großen Fortschritt gemacht (?) – JA! Manchmal, wenn ich solche Sessions habe, werden meine Kunden frecher weise sogar hinterher darauf angesprochen, ob sie mich etwa dafür bezahlen. Lucky Me – ich werde eben sogar für rumstehen und „nichts tun“ bezahlt! :-) :-) :-)

Danach hat Linda noch eine Roundpen Demo mit Dylano zum Thema GoC gemacht. Dylano ist ein Pferd mit einer extrem krassen Ausstrahlung und Athletic, ein Traum ihm bei jeder Bewegung zuzusehen - er  gehört ihr seit Januar 2015. 2008 war er Reservesieger der Oldenburger Körung in Vechta. Ab dem Tag danach war er unreitbar (und man kann sich ausmalen, was da probiert wurde, um das wieder „hin“ zu kriegen). Er hat die meisten Reiter durch super krasses Bocken „entfernt“ oder warf sich selbst samt Reiter in die Bande. Dennoch sagt Marion, die seitdem die einzige Person ist, die Dylano wieder geritten ist, sie hat sich immer super sicher auf ihm gefühlt und ihn sogar als zuverlässiges Führpferd mit den jungen Pferden zum Ausreiten benutzt! Ich habe Linda jetzt zum dritten Mal mit ihm am Boden gesehen, coole Fortschritte, aber über Reiten denkt sie noch lange nicht nach sagt sie. Wenn er auf Adrenalin kommt macht er Atem-Geräusche, die sich nach dem Grollen eines Löwen anhören (es ist kein körperlicher Grund dafür zu finden, es ist "nur" Frustration + Ärger) und schwitzt von einer Sekunde zur nächsten so krass, als hätte man ihn mit Wasser übergossen – er tropft! Genauso schnell trocknet er auch wieder, wenn er die Lösung gefunden hat.

Und nochmal zurück zum Video von Patricks letzter Trainingsstunde. Wenn man sich das ansieht, ist es wie  ganz „normaler“ Reitunterricht – das Pferd wird nicht verprügelt, kein übermäßiger Einsatz von Gerte oder Sporen. (An manchen Tagen muss ich in den Reithallen deutlich schlimmere Dinge mit ansehen.) Was also bewirkt, dass dieses Pferd, das eben noch alles „brav“ mitmacht und bis 2er Tempi ausgebildet ist, auf einmal so nachhaltig beschießt, dass ab sofort keiner mehr reitet – dass man ihm glaubt und das Reiten aufgibt?! Es wird ihm einfach nicht gesagt, was das Ziel ist, wann er etwas richtig macht, sondern immer weiter gearbeitet.

Oder auch mit Lasse (wer immer seiner Geschichte im Blog gefolgt ist) und gibt es unzählige solcher Beispiele mehr , manche krasser, manche weniger krass.

Ich muss sehr oft an Lindas Satz denken und verwende ihn auch in meinem Untericht immer wieder: „Does your horse know the Goal?“ – Kennt das Pferd das Ziel?

Im „normalen“ Training wird oft das Haupt- manchmal auch das einzige Augenmerk auf die physische, körperliche Ausbildung und Lösung gelegt. Es werden aber immer bessere Pferde gezüchtet – mit mehr „Geist“, aber die wenigsten Menschen werden dazu ausgebildet, diesen Geist zu verstehen und positiv damit umzugehen, ihn zu fördern.

Wenn die Ursache einer Störung im psychischen liegt, kann man sie im physischen nicht lösen – und umgekehrt natürlich! Aber wie beim Mensch bewirkt natürlich psychische Losgelassenheit und Balance auch eine körperliche Losgelassenheit und Balance. Ich denke es ist wirklich wichtig sich mit beiden Aspekten auszukennen, und immer besser darin zu werden Ursachen zu erkennen, statt Auswirkungen zu behandeln.

Hat jemand von Euch hat das Video angesehen, dass ich gestern ganz unten gepostet habe??? Und ganz ehrlich: wer hätte das als alleinige Antwort akzeptiert und ausprobiert???

Dylano hat heute immer wieder ziemlich doll seinen Kopf an Linda gerieben. Irgendwann hat jemand aus den Instruktoren gefragt, warum sie ihm das erlaubt – ihre Antwort „I do EVERYTHING for the relationship“ – großartig!!!!

Pat sagt „Horses don’t care how much you know, until they know how much you care“!