30.10.2010

Der Ami würde sagen: „We‘ve had a blast today!” – Was für ein cooler Tag! 4:30h aufstehen, 5h Abreise im D,N-School-Bus Richtung Tallahassee! Ziel der Reise, die wunderschöne Dover Hill Farm, mit einer Dressur Arena unter einem gemauerten Pavillon.

Dort begann der Vormittag mit einem Vortrag von Gerd Heuschmann (www.gerdheuschmann.de) über die Biomechanik des Pferdes, den ich zwar schon dreimal in Deutsch gesehen habe, aber der immer wieder um neue interessante Teile ergänzt wird. Da die zuständige Person die Leinwand und den Beamer „vergessen hatte“ zu besorgen, saßen ca. 60-70 Personen im Wohnzimmer des  Hauses auf der Couch, Stühlen oder dem Boden und haben den Vortrag an einem überdimensionalen Fernseher verfolgt.

Dover Hill2 Dover Hill3

Nach einer kurzen Pause haben wir Jochen Schleese (www.schleese.com) kennengelernt, der wiederum einen ebenfalls sehr Vortrag von über einer Stunde zum Thema passender Sattel für Pferd und Reiter gehalten hat. Er hat sehr anschaulich durch mit den Nachbildungen eines männlichen und weiblichen Beckens erklärt, warum Männer und Frauen jeweils einen anderen Sitz haben – müssen!

20101030_165100_Gerd Lecture

In der Zwischenzeit war ein Pferd auf einer Seite mit seinen Knochen und der anderen mit Sehnen und Muskeln bemalt worden, an dem sowohl Gerd Heuschmann als auch Jochen Schleese einige Dinge sehr gut verdeutlichen konnten.

Bis hier hin befanden wir uns schon ca 2 Std hinter dem ursprünglichen Zeitplan, aber es war extrem kurzweilig. Dann begann  der praktische Teil. Vier Reiter haben ihre Pferde vorgestellt und Gerd hat zunächst die jeweiligen Schwachpunkte erklärt und dann teilweise selbst geritten und teilweise mit dem Paar gearbeitet.

Besonders bei den Pferden, die er selbst geritten hat, hat er echt beindruckende Erfolge erreicht. Ein Beispiel: das dritte Pferd war eine Hannoveraner/Vollblut-Stute, die nicht zum Stillstehen zu bringen war und ihre Füße in der Schnelligkeit einer Hochgewindigkeits-Nähmaschine bewegt hat – Kopf hoch, Schweif hoch und Rücken wir eine Gartenbank. Die Besitzerin hielt die Zügel fast an den Trensenringen. Gerd hat zunächst unter ihren ungläubigen Blicken den kompletten Nasenriemen der Trense entfernt. Danach hat es keine 5 Min gedauert, bis die Stute mit ihm am langen Zügel in die Dehnungshaltung gegangen ist. Je länger er sie geritten hat, desto mehr hat sich ihre komplette Haltung verändert und desto ruhiger wurde sie, obwohl er auch getrabt und galoppiert ist. Als die Besitzerin am Schluß nochmal aufgestiegen ist, sagte sie, es sei das erste mal, dass sie ihr Bein ans Pferd legen und sogar treiben könnte.

Das letzte Pferd war zwar bis Pi und Pa ausgebildet, allerdings offensichtlich konstant mit Schlauzügeln geritten.  Laut neuer Besitzerin (eine kleine dünne Lady) war er von ihr nur mit Kandarre zu reiten, da er so dermaßen auf der  Hand hängt, das sie das an der Trense nicht halten kann. Sein Maul war komplett TOT! Der Rücken natürlich auch, aber Schwebetritte beherrschte er vom Feinsten, von Hankenbeugung allerdings keine Spur! Gerd hat ihn auf Trense geritten und immer wieder im Entlastungssitz – dennoch hat es fast eine Stunde gedauert, bevor Rücken und Maul sich anfingen wenigsten ein bissel zu bewegen. KRASS! Die Dame wurde zur weiteren „Behandlung“ an Karen weiter verwiesen!

Bis alle Pferde „durch“ waren, war es schon dunkel. Dann haben wir uns noch mit Gerd zusammen gesetzt und die Themen und Fragen des Tages diskutiert, bevor wir uns um 21h auf die Heimreise begeben haben. Was für ein cooler Tag!