"Versuche, wenn du das Pferd
in irgendeiner Weise bedienst,

zu erfühlen, wie du auf es einwirkst,

und was es dann von dir will.

Wenn du zunächst auf seinen Willen

einschwenkst, wird es später auch

auf deinen Willen einschwenken!"
(Prof. Paul Tholey)

Mo 10.03.2014

Times flies by, ich habe noch eine Woche! Habe mir heute Morgen mehr Zeit zum Putzen genommen, Rhem schmeisst alle seine Haare ab, und auf einem GROSSEN Pferd sind VIELE Haare ….

Treffpunkt war „bei uns“, als ich alles gaaaanz langsam fertig gemacht hatte, haben wir uns in die Sonne gestellt und ich habe Rhem grasen lassen und Lyndsey beim Spielen zugesehen. Um 10h war die andere Straßenseite bei uns eingetroffen und das Spiel konnte beginnen.

Am Boden war mein Ziel: Balance und Verantwortung für die Gangart und die Richtung. Ich habe an einem kleinen Hang mit Circling im Trab gespielt bis Rhem einen runden Zirkel gelaufen ist und nicht mehr durchpariert hat sobald es bergauf ging.

Da alle anderen Steps gut funktionieren bin ich aufgestiegen und habe heute mit Game of Contact im Schritt gespielt. Zügel aufnehmen ohne den Schenkel zu benutzen führt zu Kopf hoch, über dem Gebiss gehen und stoppen. Und es ist gar nicht scher, etwas dran sitzen, etwas innerer Schenkel und äußerer Zügel und er kippt sofort im Genick ab, aber er ist dann konstant „hinter“ dem Gebiss, klappert drauf rum und ist auch nur schwierig zu stretchen. Heute war make it statt fake it angesagt. Boy, das hat ihn echt genervt und er hat erstmal überhaupt nicht nach einer Antwort gesucht, sondern war einfach nur motzig. Er hat immer wieder den Kopf hoch genommen und gesagt „so, dann geh ich eben überhaupt nicht mehr vorwärts“ und hat sich rückwärts oder im Kreis bewegt, meistens über und auch mal hinter dem Zügel. Ich habe mir einfach gedacht „it‘s not if, it‘s when“ auch wenn es einfach scheußlich aussieht, aber das stört hier zum Glück absolute niemand. Irgendwann sind wir von Kategorie 1 IGNORE and FIGHT zu Kategorie 2 YIELD FROM PESSURE gewechselt und er hat verstanden, dass vorwärts die richtige Richtung ist, auch wenn er das so krumm wie nur irgend möglich gelöst hat. Als die Füße „lebendig“ geblieben sind, habe ich begonnen nach 1-2 Schritten nach Stretch zu fragen – oh man – das hat und flucks wieder in Kategorie 1 zurück versetzt. Also gut, whatever you want, „zero brace“ is die Idee! Wir haben immer wieder Fort- und Rückschritte gemacht, bis er endlich bereit war auch hier über eine Lösung nachzudenken und mit viel schnauben und lecken, Feet und Neck forward angeboten hat. An diesem Punkt habe ich aufgehört, weil es recht lange gedauert hat bis hier her zu kommen und wir endlich einen Durchbruch erzielt haben. Rhem durfte mit Tof auf die Koppel.

Der Schmied war inzwischen gekommen und hat auf Linda gewartet, um Ulivi zu beschlagen. Lyndsey hatte ihn in der Zeit seit sie bei Mette ist soweit vorbereitet, dass der Schmied ohne Sedierung bis unter die Zähne den Beschlag überlebt hat. Vorderfüße waren sogar inzwischen relativ problemlos, aber bei den Hinteren ist er schon ein paarmal durch die Stallgasse geflogen und der Typ wiegt lockere 150kg! Aber die Vorbereitung der letzten Tage hat ihren Tribut gezollt, das Zusehen war so langweilig wie nur was ;-), Ulivi war completly calm!

Alissa hat heute hier gearbeitet und wir sind zusammen zum Lunch zu YumYum gefahren. SAULECKER. Es ist basicly ein Wohnwagen vor einem Baumarkt, in den gekocht wird. Aber das Essen ist extraorbitant. Frisch, knackig lecker, ich hatte Blackened Crabcake Ricebowl with Vegetables und extra leckeres Dessert – heute Chocolate-Cupcakes!

Um 3h ging es wieder weiter mit Ulivi. Zuerst mit Verladen, ebenfalls total langweilig (obwohl dabei schon einige Leute im Krankenhaus gelandet sind, aber Lynse hatte super Vorarbeit geleistet), dann hat Linda kurz at liberty gespielt, ist aber bald aufgestiegen und los geritten, Richtung Playground. Wir sind auf den Golfcards gefolgt. Ulivi hat heute nur sehr kurz an zwei Stellen angehalten und ist dann direkt weiter bis zum Playground. Dort ist sie ein paarmal in die Arena rein und raus geritten, weil er erst nicht rein gehen und dann nicht drin bleiben wollte, aber er hat sehr schnell den Komfort gesucht. Kaum zu glauben, der Unterschied zwischen gestern und heute. Schritt, Trab, Galopp, er blieb ruhig, etwas Supple Rein, alles gut. Linda sagte mit einem Lächeln „that is boring today“ und war fertig.

ABER DANN! Sie wollte das Tor von Pferd aus öffnen und das geht ja GAR NICHT. Ulivi war der Meinung er ist jetzt fertig und er geht jetzt nach Hause und das verdammte Personal kann das Tor öffnen. Innerhalb 3 min war er nass geschwitzt und hat ein paar beeindruckende Versuche durchzustarten hingelegt. Linda ist ganz ruhig geblieben und Ulivi hatte natürlich für den Weg zurück ALLE Tore gelost. Beim ersten hat er allerdings den meisten Aufstand geprobt. Linda hat es so lange versucht, bis sie es öffnen konnte, ist dann immer wieder rein und raus geritten bis er ruhig durch gegangen ist und dann ging‘s weiter – zum nächsten Tor J. So hat er Rückweg etwas länger gedauert als der Hinweg, aber je mehr Tore wir passiert haben, desto besser wurde es. Als wir zurück waren, hat sie ihn nochmal in den Anhänger geschickt und eine YES SIR-Antwort bekommen – sehr cool. Das Ding ist sowas von LBE und der Spirit Level ist extrem hoch, es braucht nicht viel, um ihn „upset“ zu machen.

OK und hier eine Liste, der Dinge, die in „Normalville“ ein Pferd notwendigerweise zum reinen Überlegen benötigt: jeden Morgen müssen die Vitalwerte überprüft werden, Temperatur, Atmung Puls, Pferde bekommen die Nacht-Decke aus und die Tag-Decke angezogen, werden gefüttert und dürfen, wenn sie nur rum stehen auf einen kleinen Auslauf. Wer beginnt zu rennen, wird rein geholt! Oh und selbstverständlich tragen sie Glocken und Gamaschen zum rumstehen. Falls es inerhalb der 1,5 Std draußen wärmer wird, müssen Tag-Decken aus und Fliegen-Decken und Masken angezogen werden. Nach 1,5 Std müssen alle Pferde wieder drin sein, sonst bekommen sie eine Kolik! Jedes Pferd bekommt 1 Std am Tag Cardio training, damit es fit bleibt. Es gibt Mittagsessen und nach einer Verschnaufpause dann die zweite Paddockrunde für alle, inkl. Decken, Gamaschen und Glocken. Oh und man stellt die Pferde bitte nur EINZELN raus, damit sie sich nicht gegenseitig weh tun. Und auf dem Paddock gibt es natürlich Wasser und Heu, sonst könnten sie ja verdursten oder verhungern. Dann werden am Nachmittag alle Boxen nochmals gemistet um mit dem Abendessen befüllt, bevor, die Pferde wieder rein müssen. Alle Pferde werden jeden Tag nach ihrem Training gewaschen und gestretcht und massiert. Am späteren Abend gibt es noch eine Check Runde mit Decken-Änderung und Heufütterung.

Ok und jetzt kommt ihr, wer möchte in seinem nächsten Leben da ein Pferd sein??? Wie NIEMAND?! ;-) Ich würde mir so wünschen, dass man mal über den Unterschied klarer machen könnte von „do it TO the horse“ versus „do it FOR the horse“. Ich denke ja auch immer, wenn man das so direkt nebeneinander sieht, müßte es einem doch direkt ins Auge springen: die einen Pferde sind relaxed, problemlos, ziemlich stressrestist, können in Gruppen geshuttelt werden, sind (Tag und Nacht) draußen, haben Platz, spielen Dominanzspiele untereinander statt mit dem Mensch aus, können mal so richtig rennen, bocken und sind GESUND und die anderen kann man schwierig führen, nur sehr kontrolliert reiten, haben Matten an den Wänden im Stall, damit sie sich beim Ausschlagen nicht weh tun, es gibt Probleme beim Schmied, TA, Hufe auskratzen, Misten, Eindecken, Abspritzen, Putzen und Satteln und sie bekommen dauernd eine Kolik, wenn sie z.B. 5 min zu lang draußen sind….. Was meint ihr dazu???